Löffel_gerade_halten

Den Löffel gerade halten

Wir leben in einer komplexen Welt mit einem großen Potential an überforderten Menschen, die in den Verstrickungen ihrer unbewältigten Sinnprobleme hängen und als Fundament ihrer emotionalen Befreiung gerne Bedeutung und Erbauung für sich fordern – quasi für jeden Kreativbeliebigen einen Distinktionsprofit nach eigenem Ermessen.
Selbstverwirklichung wird zum Selbstbedienungsladen für alle, die es gut mit sich selber meinen und dabei zu unterstellen, über den omnipotenten Umgang mit Farbe und Leinwand [… der selbsterklärten Kunst] zu sich selbst zu finden, ist eine ebenso beliebte wie opportune Legitimation. Warum auch soll man ein Placebo von sich weisen, wenn man sonst nichts hat und einem niemals gezeigt wurde wie man seinen Löffel gerade hält.
Man kann nicht sein, was man nicht ist! [… sage ich] und ich hoffe, dass die gegenwärtig grassierende Kreativ-Pandemie nicht in einen absoluten Genie-Kommunismus mündet und dass der demonstrative Verzicht auf eine erkennbare Veranlagung, Talent und bildnerische Anstrengung nicht die einzige Voraussetzung bleibt, um ein Künstler zu sein.