Die_Experimentierer

Das Experiment

Wenn Künstlerdarsteller planlos irgendwas probieren, glauben sie zu experimentieren. Aber bei einem Experiment wird die Erwartung beschrieben, werden die Prozesse kontrolliert, die Zusammenhänge beobachtet und der Erfolg wird beurteilt, um so Kausalbeziehungen zwischen zwei oder mehreren Variablen nach zu weisen.
Bildnerischer Anstrengung bedeutet, eine Vorstellung haben, ihr folgen und sie verwirklichen. Im Gegensatz dazu wird beim intentionslosen »Herum-Probieren« das Scheitern bequem verhindert. Intentionslose Unentschlossenheit ist ein schwaches Fundament. Aus der Not wird eine Tugend.

Die Beurteilung der Arbeit an das Auge des Betrachters zu delegieren ist ein beliebtes Spiel mit der Unverbindlichkeit einer verkündeten »vorsätzlich unterlassenen Meinungsäußerung«, um den Betrachter in seiner eigenen Interpretation nicht zu beeinflussen. »Sag mir was ich gemalt habe und ich sage Dir was für ein großartiger Künstler ich bin«.
Aber ein Künstler wird seine Arbeit nicht der freien Interpretation des Betrachters aussetzen. Das Unverbindlich bleiben ist ein Indiz für ein nur schwach oder gar nicht erkennbares Schaffensziel, was wiederum ein Indiz für einen »Nichtkünstler« ist. Die unterlassene Inhaltsbestimmung einer Arbeit ist einer Verleugnung gleichzusetzen, getragen von der Angst sich festzulegen und sich zu entscheiden. Eine Steigerung dieses Verhaltens ist die Verweigerung der Signatur.