Die_Experimentierer

Das Experiment

Wenn Künstlerdarsteller planlos irgendwas probieren, glauben sie zu experimentieren. Aber bei einem Experiment wird die Erwartung beschrieben, werden die Prozesse kontrolliert, die Zusammenhänge beobachtet und der Erfolg wird beurteilt, um so Kausalbeziehungen zwischen zwei oder mehreren Variablen nach zu weisen.
Bildnerischer Anstrengung bedeutet, eine Vorstellung haben, ihr folgen und sie verwirklichen. Im Gegensatz dazu wird beim intentionslosen »Herum-Probieren« das Scheitern bequem verhindert. Intentionslose Unentschlossenheit ist ein schwaches Fundament. Aus der Not wird eine Tugend.

Die Beurteilung der Arbeit an das Auge des Betrachters zu delegieren ist ein beliebtes Spiel mit der Unverbindlichkeit einer verkündeten »vorsätzlich unterlassenen Meinungsäußerung«, um den Betrachter in seiner eigenen Interpretation nicht zu beeinflussen. »Sag mir was ich gemalt habe und ich sage Dir was für ein großartiger Künstler ich bin«.
Aber ein Künstler wird seine Arbeit nicht der freien Interpretation des Betrachters aussetzen. Das Unverbindlich bleiben ist ein Indiz für ein nur schwach oder gar nicht erkennbares Schaffensziel, was wiederum ein Indiz für einen »Nichtkünstler« ist. Die unterlassene Inhaltsbestimmung einer Arbeit ist einer Verleugnung gleichzusetzen, getragen von der Angst sich festzulegen und sich zu entscheiden. Eine Steigerung dieses Verhaltens ist die Verweigerung der Signatur.


Hobbyschwanger

Hobbyschwanger

Kunst bricht aus autonomen Persönlichkeiten hervor, die ganz unabhängig von der Wirklichkeit, sich selbst genug, niemanden verpflichtet, das verrichten, wozu eine anonyme Macht sie treibt. [Hans Prinzhorn – Arzt und Kunsthistoriker]

Künstler zu sein ist gleichbedeutet mit »Schwanger« zu sein – jedoch ist ein bisschen schwanger nicht möglich, und hobbyschwanger schon gar nicht. Es bedeutet auch „Veranlagt“ zu sein, aber mit seiner Veranlagung kann man sich nicht je nach persönlicher Befindlichkeit identifizieren oder eine für sich herbeireden.
Und mein Ansatz lautet, dass sich Kunst nicht über das Werk, sondern immer über die Person definiert, respektive über die treibende Kraft, die es hervorgebracht hat. Das Urteil des Betrachters spielt eine vernachlässigbare Rolle.
Die Diskussion »Wann ist man ein Künstler« ist das viel spannendere Thema, als »Was ist Kunst«, weil sich damit die ewige Leier um so Phrasen, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt, sehr schnell erledigt.


 

Löffel_gerade_halten

Den Löffel gerade halten

Wir leben in einer komplexen Welt mit einem großen Potential an überforderten Menschen, die in den Verstrickungen ihrer unbewältigten Sinnprobleme hängen und als Fundament ihrer emotionalen Befreiung gerne Bedeutung und Erbauung für sich fordern – quasi für jeden Kreativbeliebigen einen Distinktionsprofit nach eigenem Ermessen.
Selbstverwirklichung wird zum Selbstbedienungsladen für alle, die es gut mit sich selber meinen und dabei zu unterstellen, über den omnipotenten Umgang mit Farbe und Leinwand [… der selbsterklärten Kunst] zu sich selbst zu finden, ist eine ebenso beliebte wie opportune Legitimation. Warum auch soll man ein Placebo von sich weisen, wenn man sonst nichts hat und einem niemals gezeigt wurde wie man seinen Löffel gerade hält.
Man kann nicht sein, was man nicht ist! [… sage ich] und ich hoffe, dass die gegenwärtig grassierende Kreativ-Pandemie nicht in einen absoluten Genie-Kommunismus mündet und dass der demonstrative Verzicht auf eine erkennbare Veranlagung, Talent und bildnerische Anstrengung nicht die einzige Voraussetzung bleibt, um ein Künstler zu sein.